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Zweimal 3 zu 2

In aller Herrgottsfrühe traten wir die lange Reise nach Angermünde an, wo wir im ersten Spiel des Tages dem TSV Werder und im Anschluss - Überraschung - Angermünde begegnen sollten. Wir waren zu acht: Jede Position war einmal besetzt plus eine Zuspielerin und eine verletzte Mittelblockerin, die heute als Libero antrat. Prima Voraussetzungen also, um spektakulär zu gewinnen!


Das erste Spiel begann.
Wir kamen gut rein, die Punkte flutschten nur so dahin. Wir kannten Werder als äußerst annahmestark und versuchten, ordentlich Druck zu machen. Anfangs klappte das auch ganz gut, sodass wir schnell mit komfortablen 17:10 vorne lagen. Dann fing sich Werder. Sie arbeiteten sich heran, indem sie hinten alles rauskratzten und vorne ordentlich angriffen. Wir kamen dennoch gut durch den Satz und gewannen mit 25:22.

Der zweite Satz startete schwierig. Wir waren nicht schlecht, keine Frage, wir waren ganz gut. Nur leider gewinnt man mit „ganz gut“ keinen Blumentopf und erst Recht keine Spiele. Wir hetzten die ganze Zeit Werders Vorsprung von ein paar Punkten hinterher und verloren 19:25. Nicht, weil wir kein Volleyball spielen können. Wir verloren, weil wir nicht bis zum letzten Fünkchen an uns zu glaubten. Es fehlte dieses berühmte letzte Quäntchen, dass einen guten Angriff von einem Knaller und eine gute Annahme von einer Gummiwand unterscheidet. Was war nur los mit uns?

Der dritte Satz begann mit Zuspielerwechsel (mehr war bei der Auswechselbank nicht zu holen, also musste unsere Zuspielerin es allein reißen). Es wurde ein Kraftakt. Pure Sturheit brachte uns dazu, die Angriffe durchzuprügeln und die Bälle hochzukratzen. Wir waren besser als unser Gegner und endlich bereit, dies auch zu zeigen. Gleichzeitig machte Werder vor allem zu Beginn des Satzes Eigenfehler und wir schafften es, unseren verdienten Vorsprung durchzubringen. Wir gewannen 25:19.

An dieser Stelle hätten wir das Drama beenden können, doch leider schienen wir es an diesem Tag spannend machen zu wollen. Werder brachte sehr gute Angaben rüber und wir schafften es nicht, die Annahme nach vorne zu bringen und einen Angriff zu fabrizieren. Nach kurzer Zeit stand es 10:2 und es sah nicht danach aus, als würden wir in diesem Satz Fuß fassen können. Nichts funktionierte. Die Angriffe landeten im Block, der eigene Block fälschte den gegnerischen Ball ab, unsere Leger holte sich Werder mit einem Gähnen und einem Kaffee in der Hand. Ein weiterer Zuspielerwechsel brachte auch nichts mehr. Wir verloren 25:14.

Also gut. Es sollte also ein Fünfsatz-Spiel werden. Wir stellten uns aufs Spielfeld, brüllten uns nochmal gegenseitig wach („Wer sind wir?! EIN TEAM!) und endlich, endlich erwachte unser Selbstvertrauen aus dem Dornröschenschlaf. Wir spielten unseren Stiefel runter und ließen Werder keinen Platz zum atmen. Ihr Block stolperte uns hinterher, ihre Annahmespieler bekamen unsere Bälle nicht und starke Aufschläge trieben sie zur Verzweiflung. Wir gewannen 15:08. Zurück blieb tiefe Erschöfpung, natürlich Siegesfreude, aber auch ein fades Gefühl mit der Frage: Warum nicht gleich so?

Das zweite Spiel gegen Angermünde begann. Noch immer saß uns der harte Kampf gegen Werder in den Knochen, sodass wir uns zusammenreißen mussten, uns überhaupt auf das Spielfeld zu stellen.
Die ersten zwei Sätze liefen fantastisch. Wir waren gut drauf, spielten variantenreich und hörten mehr als einmal drüben das gezischte „schei!...“ der Mittelblockerin, die in die falsche Richtung gerannt war. Ganz ehrlich, es gibt nichts schöneres, als dann kräftig draufzuprügeln. Innerhalb eines Spielzuges hatten wir einen Aufsteiger (leider in den hastig aufgebauten Block geprügelt, aber hey, immerhin so gefährlich in deren Arme geplumpst, dass sie nur einen Dankeball spielen konnten) und gleich im Anschuss einen Schuss ohne gegnerischen Block (weil der sich ja noch vom Aufsteiger sortieren musste, gel?) Unsere Annahme stand wie eine Mauer und vorne zogen wir unserer Ding ab, sodass wir das Spiel komplett dominierten. Der zweite Satz näherte sich dem Ende.

Leider passierte dann irgendwas mit uns. Als hätte man eine Systemlöschung vorgenommen, vergaßen wir, wie Volleylball funktionierte. Wir bekamen keine Annahme auf die Reihe, der Pass wurde dementsprechend suboptimal und die Angriffe bauten keine Power auf. Wir verloren mächtig an Boden und Angermünde arbeitete sich von einem 24:17 ran auf ein bedrohliches 24:23.

Wir nahmen eine Auszeit. Holten uns eine Kopfnuss vom Trainer. Stellten uns mächtig verwirrt von unserer Eigenleistung wieder aufs Spielfeld.
Letztendlich hatten wir ziemlichen Dusel, denn Angermünde versemmelte den Aufschlag. Sieg. 25:23. Blöd, dass man so ein Spiel nicht mit zwei Sätzen gewinnt, sonst könnte dieser Bericht an dieser Stelle mit Trommelwirbel und Fanfaren aufhören.

Der dritte Satz ging genauso grottig weiter, wie der zweite aufgehört hatte. Die Annahme schoss wie Streufeuer mal in die eine, mal in die andere Richtung, unsere Dankebälle kullerten über das Netz und Angermünde packte seine härtesten Angriffe aus. Der Block schaffte es nicht zusammenzukommen und statt wie in den Sätzen zuvor wenigstens hinten alles zu holen, schlugen die Angriffe mit erschreckender Schlagzahl bei uns auf dem Boden ein. Jetzt zeigte es sich, was es bedeutete, mit einem anstrengenden Fünfsatzspiel im Rücken gegen eine ausgeruhte, junge Heimmannschaft spielen zu müssen. Unser Trainer tat das einzige, was ihm mit seiner wahnsinnigen Auswahl an Auswechselspielern möglich war und wechselte erneut die Zuspielerin aus. Leider brachte auch dieser Schachzug keinen Erfolg und der Satz endete 25:18.

Der vierte Satz ging so weiter. Zwar kam jetzt die Annahme einigermaßen, aber die Angriffe schafften es nicht, durch den Block zu kommen. Angermünde pflückte unsere Bälle wie reife Äpfel aus der Luft und legte selbst gut jeden dritten Ball erfolgreich auf unseren Marktplatz oder schlug über den Block auf die lange Eins. Man hätte ein Kreuz auf den Boden malen können, so konstant schafften sie es, immer wieder unsere gleichen wunden Punkte zu treffen. Gleichzeitig mussten wir mit vielen Notpässen die zweite Reihe einsetzen, womit wir nur in den seltensten Fällen mal einen Punkt machten. Der Satz endete 25:19.

Der fünfte Satz startete. Wir brachten unseren gesamten Siegeswillen auf, aber spielerisch konnten wir nicht mehr an unsere anfängliche Leistung anknüpfen. Die Kräfte waren endgültig dahin. Wir lieferten uns noch einen Kampf um jeden Punkt, schaukelten am Ende sogar ein 15:14, 15:15 und 16:15, mussten den fünften Satz aber 17:15 abgeben.

Im dritten Spiel gewann Angermünde mit einem sauberen 3:0 gegen Werder. Gut so, schließlich wollten 18:00 die Handballer in die Halle und Angermünde musste als Heimmannschaft zusehen, dass das auch funktionierte. :)


Von links nach rechts: Racine, Ronja, Jule, Ossi, Lina, Heike, Sophie, Franzi, Anne






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